am 07.10.2023

Am Samstag, 07. Oktober 2023, gegen 06.30 Uhr

beginnt die Hamas die von ihr als „Operation al-Aqsa-Flut“ bezeichneten Angriffe auf Israel. Am gleichen Datum begehen die Juden auch den Feiertag Simchat Tora, mit dem die Sukkot-Festwoche endet. Der Angriff der Hamas auf Israel erfolgte fast auf den Tag genau zum 50. Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges, der am 6. Oktober 1973 begann.

„Die übergroße Mehrzahl der nun getöteten Menschen, wurde von den Hamas-Terroristen getötet – nicht, weil sie ‚militärische Ziele‘ darstellten, sondern weil sie Juden waren.“

Markus Springer: Kommentar im Sonntagsblatt – 360° Evangelisch – vom 9. Oktober 2023

Ich fahre mit Daniela gleich am ersten Tag meines Besuchs in Israel mit einem Mietwagen von Jerusalem, wo ich im Österreichischen Hospiz in der arabischen Alstadt wohne, in Richtung Süd-Westen, also in Richtung Gazastreifen. Und schon auf dieser Fahrt wird mir klar, dass es beim Terroangriff der Hamas nicht "nur" um das Novafestival ging. Denn wir fahren eine Straße entlang, die die Nr. 232 trägt und die man im Video oben auch sehen kann. Wie ich von Daniela erfahre, wollte die Hamas ihren Angriff entlang dieser Straße vorantreiben bis nach Tel Aviv.  

Überall an der Straße sehe ich Strommasten, Bushaltestellen, Tore, Mauern und Gebäude mit Aufklebern bestückt. Auf ihnen sind Opfer des Terrorangriffs abgebildet. Überall im Land kann man diese Aufkleber finden, hier aber besonders intensiv. Entlang dieser Straße 232 gab es, leider erst sehr spät, heftigste Kämpfe zwischen den Terroristen und den israelischen Streitkräften. Blumensträuße stehen da, wo Israelis ermordet wurden. 

Entlang dieser Straße bis weiter ins Inland wurden insgesamt 21 Kibbutzim (Wohngemeinschaften, mit dörflicher Infrastruktur) durch die Hamas überfallen. In einem Kibbutz leben keine Soldaten, es leben dort Zivilisten. Der Angriff gilt also ganz bewusst der Zivilbevölkerung. Ja sogar bis in die Stadt Sderod kommt die Hamas voran. Das Gelände des Nova-Musikfestivals wird ebenfalls zu einem Ort des Mordens, der Bestialität und der Geiselnahme. Aber auch Militäreinrichtungen werden angegriffen, so etwa an mehreren Grenzübergängen von Gaza nach Israel. Gleichzeitig setzt die Hamas Israel unter massiven Raketenbeschuss. 

Daniela und ich fahren weiter entlang dieser Straße Nr. 232. Sie hat etwas für mich im Plan, von dem ich nichts ahnte, als ich mich nach Israel aufmachte. Aber Daniela ist gut vernetzt und kennt viele Menschen im Land. So kennt sie auch Ralf, der aus Namibia stammt, dessen jüdische Familie nach dort ausgewandert ist und der selbst dann mit seiner Familie nach Israel zog. Ralf lebte bis zu jenem 07. Oktober mit dieser seiner Familie im Kibbutz Kfar Aza, zwei Kilometer entfernt von Gaza-Stadt (siehe Karte, klicken sie auf die Karte und sie erhalten eine große Ansicht). Die blaue Markierung zeigt das Gebiet, in das die Hamasterroristen vorgedrungen sind.

Es ist wichtig zu betonen, dass man nicht einfach so in die überfallenen Kibbutzim fahren kann. Verständlicherweise will man dort keinen "Terrortourismus". Aber wenn man jemanden kennt, so wie ich Daniela, der wiederum jemanden kennt, der in einem dieser Kibbutzim gelebt hat, dann ist es möglich, eine Erlaubnis zum Besuch zu bekommen. Man geht jedoch mit solchen Besuchsmöglichkeiten sehr vorsichtig und sparsam um. Wir halten also mit unserem Auto vor dem bewachten Tor am Eingang. Daniela telefoniert kurz mit Ralf. Er kommt zum Tor und mit ihm dürfen wir auf das Gelände vom Kibbutz Kfar Aza bis zu einem Parkplatz fahren.

Kurz vor unserem Ziel legen wir noch an einer Tankstelle einen Zwischenstop ein. Dort gibt es auch ein kleines Restaurant. Wir wollen frühstücken.  Wärend Daniela bestellt, schaue ich mich um. Auf dem Bedienungstresen stehen zwei Bilder, davor Blumen. Zwei junge Menschen sind abgebildet, deren Gesichter ich draußen auf der Mauer des Restaurants aufgemalt, auch schon gesehen hatte. Sie waren zwei Mitarbeiter des Restaurants, von der Hamas ermordet am 07. Oktober 2023. Ich spüre langsam ein beklemmendes Gefühl in mir aufsteigen. Ich sitze hier und frühstücke an einem Ort, an dem ein Blutbad angerichtet wurde. Junge Menschen, die Kollegen der Ermordeten waren, bedienen mich. Auch sie hatten sicherlich diesen Tag miterlebt. Oder hatten sie einfach nur Glück und hatten gerade ihren freien Tag, waren nich am Ort des Schreckens? Oder hatten sie keinen freien Tag und haben den Überfall und das gewaltsame Sterben ihrer Kollegen miterlebt? 

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